Werbung im Internet nervt und ich habe kein gutes Gefühl dabei, wenn mein Nutzungsverhalten analysiert wird. Es gibt aber einen Weg, um dies zu umgehen. Die Lösung ist Pi-hole.

Pi-hole ist eine freie Software, die auf einem Raspberry Pi installiert werden kann.

Wie funktioniert Werbung und Tracking

Wenn ich eine Website besuche, wird die dort angezeigte Werbung für gewöhnlich nicht durch diese Seite selbst ausgeliefert. Sie kommt von einem anderen Anbieter, z.B. von Google AdSense oder von Amazon Advertising. Auch das Tracking der Besucher funktioniert oft über einen externen Anbieter, wie z.B. Google Analytics.

Das bedeutet aber auch, dass die Daten, die diese Webseite über mich sammelt, auch an Dritte weitergegeben werden. Das ist recht komfortabel, da der Betreiber oder die Betreiberin der Webseite sich um nichts kümmer muss. Aber will ich das? Und hier kommt Pi-hole ins Spiel.

Wie funktioniert Pi-hole

Wir haben also gelernt, dass die Werbung und das Tracking über einen externen Anbieter läuft. Wenn ich also eine Seite aufrufe, ruft diese wiederum die Seite mit der Werbung oder mit dem Tracker auf. Diese Arbeit macht mein Browser.

Jede Seite im Internet hat einen Namen. Meine heißt Wilma-bloggen.de. Damit kann das Internet nichts anfangen, es funktioniert mit IP-Adressen. Um aus dem Namen eine IP-Adresse zu bilden, gibt es die Namensauflösung per Domain Name System (DNS). Dies sind zentrale Server im Internet. Jedes mal, wenn ich also einen Namen beim Browser eintippe, wird eine Anfrage beim DNS gemacht und die entsprechende IP-Adresse wird anschließend aufgerufen. Und genau das macht er auch bei Werbung und Tracking.

Hier setzt Pi-hole an. Es ist nämlich auch ein DNS. Wenn jetzt eine Anfrage zur Namensauflösung kommt, schaut Pi-hole erst in einer Liste nach. Befindet sich der angefragte Name nicht in der Liste, wird die Anfrage einfach weiter an den zentralen Server geschickt. Ist der Name aber in der Liste enthalten, so wird eine ungültige IP-Adresse zurückgeliefert. Als Ergebnis wird die Werbung nicht angezeigt bzw. der Tracker nicht aufgerufen.

Mehr Informationen über Pi-hole gibt es auf ihrer Homepage.

Pi-Hole: Mögliche Nachteile

So schön die Nutzung von Pi-Hole auch ist, kann sie in der Praxis auch Nachteile bringen. So kann es passieren, dass bestimmte Seiten nicht mehr funktionieren, wenn Sie über Pi-Hole angesteuert werden. Auch kann der “Umweg” über den Pi beim Surfen zu einer leichten Verzögerung beim Seitenaufruf führen. Auch Probleme mit der Ansteuerung von Geräten im Netzwerk sind je nach Router möglich.

Pi-Hole einrichten: Die Voraussetzungen

Pi-Hole verlangt im Grunde nichts anderes als einen beliebigen Raspberry Pi, auf dem bereits ein kompatibles Linux (etwa Raspbian oder Ubuntu) läuft.

Es arbeitet recht effizient und braucht daher nicht allzu viel Rechenpower. Es funktioniert aus diesem Grund auch auf älteren Pi-Modellen. Aus eigener Erfahrung kann ich Euch sagen, das mehrere Systeme auf einen Pi 4 laufen. Bei mir laufen zur Zeit Homebridge, Plex, Phoscon und eben Pi-Hole.

Installation Pi-hole

Die Installation ist ziemlich einfach. Ihr loggt Euch via SSH auf euren Raspberry und gebt den Befehl ein.

curl -sSL https://install.pi-hole.net | bash

Das Installationsskript wird heruntergeladen und gestartet. Die meisten Fragen bei der Installation kann man mit „Ja“ beantworten. Allerdings sollte man ein paar Dinge beachten.

Pi-Hole installation

Nachdem der Installer die Voraussetzungen zur Installation geprüft hat, empfängt er uns mit dem Willkommens-Bildschirm. Die Navigation funktioniert ab jetzt über die Cursortasten und Enter.

DNS Provider

Bei der Auswahl des Upstream DNS Providers habe ich die IP meines Routers unter „Custom“ eingetragen. Das hat den Vorteil, dass die Namensauflösung wie bisher funktioniert. Hier kann man aber auch einen anderen Provider eintragen. Bei den Filterlisten habe ich die Standard-Auswahl übernommen. Hier kann man aber auch einzelne Listen abwählen.

Filterlisten

Bei den Protokollen wählt man IPv4 und IPv6 aus. Pi-Hole benötigt eine statische IP-Adresse. Diese muss hier eingestellt werden. Dem Router muss das aber auch mitgeteilt werden und er muss entsprechend konfiguriert werden. Die Prozedur unterscheidet sich je nach eingesetztem Router. Am besten sucht man nach „statische IP“ und dem Namen des Routers bei der Suchmaschine seines Vertrauens.

Das Web Admin Interface sollte man einschalten. Darüber kann man später Pi-hole konfigurieren. Das Logging sollte man genauso mit einschalten. Es hilft später beim Analysieren von Problemen.

Webinterface

Am Ende der Installation wird noch eine Zusammenfassung angezeigt. Macht Euch am besten davon ein Screenshot.

Pi-Hole als DNS-Server einrichten

Nach der Installation läuft Pi-Hole automatisch auf dem Raspberry Pi. Damit nun Werbung gefiltert werden kann, musst Du den Pi-Hole-Pi als DNS-Server einsetzen. Die meisten Router erlauben es, den DNS-Server in den Einstellungen zu ändern. Trage den als DNS-Server jeweils die IPv4- und IPv6-Adresse des Raspberry Pi ein. Anschließend surfen alle mit dem Router verbundenen Geräte werbefrei.

Ich habe die Daten in meine FritzBox eingetragen. Internet -> Zugangsdaten -> DNS-Server

FritzBox

Web Interface von Pi-hole

Über http://pi.hole/admin bzw. über Eure IP kann man das Web Interface erreichen.

Pi-Hole Weboberfläche

Hier habt ihr eine schöne Übersicht über den Pi-Hole. Links oben sieht man den Status. Hier sollte alles grün sein.

Update von Pi-Hole

Man muss natürlich auch mal Pi-Hole updaten. Das erkennt ihr im Web-Interface ganz unten im Footer.

Update

Um das Update zu starten, loggt ihr euch via SSH auf euren Raspberry ein und gebt den Befehl ein und drückt Enter

pihole -up

Mit diesem Befehl wird ein Updatecheck gemacht und aktualisiert.

Pi-hole Update

Es dauert ein wenig, bis alles geupdated wurde. Wenn alles fertig ist, zeigt SSH es euch an.

Update Complete

Pi-Hole in Homekit

Über Homebridge könnt Ihr noch Pi-Hole als Schalter hinzufügen. Loggt Euch dazu einfach auf eurer Web-Interface der Homebridge ein. Unter Plugins sucht ihr nun nach Pi-Hole. Installiert das Addon und startet die Homebridge neu. Danach müsst ihr unter Homebridge das Addon noch einstellen. Dafür benötigt ihr einen Token. Den erhaltet Ihr auf der Pi-Hole Web-Oberfläche. Dafür

  1. auf die Pi-hole Admin Console anmelden.
  2. Links auf Settings/Einstellung und auf Registerkarte API / Weboberfläche.
  3. Nun auf API-Token anzeigen. In einem Popup-Fenster wird nach einer Bestätigung gefragt, dort klickst du auf Ja, API-Token anzeigen.
  4. Es öffnet sich ein neues Fenster mit einem QR-Code. Kopiere den Raw API Token unter den QR-Code.
  5. Füge nun den API-Token in die Homebridge-Konfigurationsdatei ein.
  6. Dann auf speichern und die Homebridge neu starten.

Nach dem Neustart findest du einen Schalter Pi-Hole im “Home” App.

Homekit

Jetzt kannst Du den PiHole über HomeKit ein- bzw. ausschalten

Fazit

Pi-hole ist schnell eingerichtet und in Betrieb genommen. Es verrichtet seine Arbeit, ohne dass man etwas davon mitbekommt. Wenn etwas nicht mehr funktionieren sollte, kann man im Logging nach der Ursache suchen und es über die Whiteliste korrigieren.

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